2011-09-25 Italienfahrt 2011

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Bardowick goes Bella Italia

… oder wie wir einfach mal in die Sonne fahren.


Es war wieder soweit und die Bardowicker Faustballjugend suchte sich in diesem Sommer ein neues fernes Ziel für die großen Ferien aus. Im Jahr 4 nach der Weltmeisterschaft in Niedersachsen fand eben jenes Event um die besten Faustballer der Welt in diesem Jahr in Österreich statt. Schwer vorstellbar, dass wir das verpassen könnten. Die grobe Richtung war damit schon einmal festgelegt, auf in den Süden. Die WM als solches war allein schon eine Reise wert, aber dazu später. Doch wenn wir schon einmal so eine weite Strecke fuhren, hängten wir einfach eine Woche vorne ran. In Italien, das Land mit Sonnengarantie. Und selten bot sich ein Sommer so sehr an nach Bella Italia zu fahren wie in diesem Jahr. Dort wo die Sonne verlässlich schien und die Temperaturen zusammen mit dem mediterranen Flair uns alle ganz automatisch in den Urlaubmodus versetzte.

Unser erstes Ziel der Reise war ein beliebter Urlaubsort und hörte auf den Namen Cavallino-Treporti. Klingt schon mal nicht schlecht, doch der Campingplatz selbst wartete mit einem noch besseren Wortkonstrukt auf: Ca’ Pasquali Village. Doch bevor wir das norddeutsche Schmuddelwetter und die herbstliche Stimmung der Bardowicker Niederungen gegen Sonne, Strand und Sommerfeeling eintauschen konnten, standen 1285 km vor uns. Und die wollten erst einmal gefahren werden. Aus unserer mittlerweile langjährigen Erfahrungen auf Autobahnen konnten wir grundsätzlich und ziemlich verlässlich ableiten, die Straßen sind tagsüber voller als nachts. Die logische Schlussfolgerung war also eine Autofahrt, die den Tag und die Staus mied. Abfahrt am Freitagnachmittag. Die Fahrzeuge und der Anhänger wurden beladen und dann galt wie immer: Jede weite Reise beginnt mit dem ersten Schritt. In unserem Fall vielleicht eher mit dem ersten Radrollen.
Unser erster Zwischenstopp war auch schon längst vorherbestimmt. Denn in Braunschweig holten wir Merlin und Sören ab, zwei Vollblutfaustballer vom SCE Gliesmarode, die sich die Reise nach Italien und vor allem die Weltmeisterschaft in Österreich zusammen mit den Bardowickern nicht entgehen lassen wollten. Sie hüpften in den Bus und jetzt waren wir vollzählig.
Wir rollten weiter Kurs gen Süden. Die Fahrt verlief in einem gemütlichen Auto-Anhänger-Tempo, geradezu beschaulich. Wir waren quasi die reinsten Sonntagsfahrer, und das schon am Freitag. Also immer der Zeit voraus. Insgesamt ziemlich unspektakulär näherten wir uns langsam und behutsam, aber dafür stetig dem Ziel, passierten die Grenzen zu Sachsenanhalt und Thüringen und überquerten alsbald den berüchtigten Weißwurstäquator.
Und im tiefsten Bayern machten wir die erste größere Pause. Die Chance auf Schlaf nutzten in dem Fall aber nur die Fahrer, denn zu aufgedreht waren die meisten, um sich das nächtliche Treiben eines x-beliebigen Mittelklasseparkplatzes entgehen zu lassen. Da wurde Karten gespielt, Liegestützübungen vom Anhänger oder dubiose Beobachtungen in Brummifahrerkabinen gemacht und so einiges mehr. Es war ein buntes Treiben im Rampenlicht der Taschenlampen.  
Vor zwei Jahren haben wir bereits angekündigt, dass wir den Bau der neuen Röhre des gewaltig langen Tauerntunnels (6546m)  überprüfen würden, der die Radstädter Tauern unterquert und in die Steiermark mündet. Es war ein Genuss so ganz ohne Blockabfertigung und Stau einfach so durchzuflutschen. Sehr zu empfehlen. Von da war es nur noch ein Katzensprung nach Italien und ein Tigersprung zum Mittelmeer und zu unserem Campingplatz Ca’ Pasquali. Endlich. Die Sonne war auch schon da und bescherte uns allen positive Energie. Hier wollten wir bleiben, die beiden Zelte wurden in Windeseile aufgestellt und die Küchenzeile eingerichtet. Lasset den Urlaub beginnen.
Die ersten Tage gehörten dem Strand, dem Meer, dem Pool. Trotz Hochsaison war es nirgendwo überlaufen, eine herrliche Anlage, auf der wir nichts vermisst haben.
Gleich in der ersten Nacht wechselte die anfänglich vorbildliche Großwetterlage und wir wurden Zeugen eines meteorologischen Schauspiels der besonderen Art. Vom Meer zog eine gigantische Gewitterfront auf und ließ um Mitternacht ein Feuerwerk voll Blitz und Donner auf die Erde hinab, das beeindruckend und ohrenbetäubend die überragende Kraft der Natur unter Beweis stellte. Gleichzeitig war es der absolute Härtetest für unsere frisch aufgebauten Zelte, die dank der ausgeglügelten Seiltechnik der Laune des Wettergotts problemlos standhielten.
Unsere Laune war dadurch aber in keinster Weise getrübt. Denn nach dieser Apokalypse folgte ein Tag – wie auch alle weiteren Tage - mit strahlendem Sonnenschein als wenn nichts gewesen ist. Das erleichterte jeden Tag auch ungemein die Frage, was man anziehen sollte: Badehose – fertig. Wahlweise bekleideten wir uns allenfalls noch mit Badelatschen an den Füßen. Auf diese weise genossen wir la dolce Vita in vollen Zügen.
Die Badehose bot sich schon deshalb an, um jederzeit im herrlichen Mittelmeer oder im Pool baden zu können. Eben dort am Pool befand sich im Übrigen auch die Kommandozentrale der Animationscrew, die nicht nur uns die Woche über bestens unterhalten hat, mit allerlei Spielchen und Shows. Ein Highlight war unter anderem – das hätte man so vielleicht nicht vermutet – das morgendliche Aquagym, eine Mischung aus rhythmischer Sportgymnastik und Massensynchronschwimmen. Mit größter Begeisterung stiegen unsere Jungs am Sonntag mit ein in die Klänge und Bewegungsaufgaben, die von Animateurin Lawinia im Rhythmus der Musik vorgeturnt wurden. Rückblickend betrachtet war es wohl aber doch die bezaubernde Badenixe selbst, die unser Team so freudig mitmachen ließ. Denn als Giuseppe diese Aufgabe eines Tages übernahm, war es plötzlich total blöd. Oder wie wir es vor Ort wohl gesagt hätten: „Das stresst enorm!“ Der eindeutige Kernsatz bei jedem Hauch der Unzufriedenheit, der so inflationär während der Fahrt gebraucht wurde, dass er fast schon das Gegenteil bedeutete. Unsere Gruppe pflegte überhaupt phasenweise ein ganz eigenes sprachliches Miteinander, in dem das Wort „Wie“ in den zentralen Fokus des Satzbauens geriet und sämtliche grammatikalischen Grundkenntnisse, die üblicherweise zum Einsatz kommen, total ausblendete und jeden Satz gleich beginn ließ. Wie da einfach mal locker die ganze Zeit so gesprochen wurde: „Wie ich einfach mal jetzt ne Gurke esse“ gefolgt von „wie ich einfach mal der Gemüsefreak bin“ -  „wie die Holländer voll gut Fußball spielen konnten. Nicht!“ -  „Wie man mit Sprühsahne richtig nette Sachen machen kann“! -  „Wie die das einfach mal verdient haben“! oder „wie das mal einfach mega-unnötig ist“. Diese Kommunikationsform ist in der freien Wildbahn eher nachzuvollziehen, da die notwendige Betonung so mitentscheidend ist. Aber auf Dauer ließe sich das Ganze etwa so zusammenfassen: „Das stresst!“ bzw. in der Steigerungsform: „Das stresst enorm!“ Oder im Superlativ dann: „Junge! das stresst enorm!!!“
Nun aber wieder zurück zum Urlaubsalltag. Der Abend endete stets mit einer netten Show in der Arena, in der die Animateure ihr bestes gaben. Ob Tanz oder Gesang, ob X-Factor oder Feuershow, ob Zauberei oder Musical, jeden Abend gab es etwas anderes zu sehen und zu hören. Und natürlich machten die Bardowicker eifrig mit, wenn es darum ging auf die Bühne zu kommen. Aber gewiss war, dass Luigi jeden Abend lauthals ins Mikro posaunte, von dem wir bestenfalls „seniore e seniori“ verstanden, das etwa alle 15 Sekunden in dem italienischen Kauderwelsch fiel. Die Show endete verlässlich mit einem halbstündigem, ich nenne es mal: „danza kollektiva“. Alle auf die Bühne und einfach die Bewegungen zu La canzone del capitano, Waka waka usw. nachmachen.
Genauso verlässlich war das Ende um 23.00 Uhr und die große Masse strömte zurück in die Behausungen. Wir strömten in den ersten Tagen einfach mit und begingen damit einen entscheidenden Stellungsfehler. Denn bei uns am Zelt war an Ruhe im eigentlichen geschweige im konservativen Sinne oder gar an sofortigen Schlaf nicht zu denken. Zumindest nicht sofort. Einfach zu viel gab es noch über die frisch mitgebrachten Eindrücke der abendlichen Show zu diskutieren. Nun muss man zwei Dinge wissen. Wir Bardowicker waren auf der gesamten Anlage die einzige Gruppe neben den sonstigen Familienreisenden und viel wichtiger: die Nachtruhe auf italienischen Campingplätzen ist heilig und wird allerstrengstens eingehalten und vor allem auch von einem Dutzend Securitymännern die liebe lange Nacht überwacht. Natürlich zu recht. Bei uns in der Gesprächsrunde war es – sagen wir mal – zumindest subjektiv annehmbar und vertretbar ruhig. Doch das sah Chefsicherheitsmann Edoardo so ganz anders. Die Szene war deshalb so besonders einprägsam, weil er aus dem verborgenem Hinterhalt auf unseren nächtlichen Sit-in zukam und vorsichtig ausgedrückt: He was not amused. Der darauf folgende Vortrag war scheinbar geboren aus einer Welle von Beschwerden der Nachbarschaft und hatte zumindest einen Vorteil, er wurde auf brauchbaren deutsch vorgebracht. Mit allen denkbaren Vorhaltungen und Konsequenzen traf er uns aber auch vollkommen unvorbereitet und Edoardo drohte final uns „dreikantig rauszuschmeißen“, wie es jemand von uns später so passend zusammenfasste. Edoardo verfolgte wohl aus Erfahrung eine Nulltoleranzhaltung. Wir also etwas ruhiger. Botschaft angekommen, Lernziel erreicht.  Nun machten wir uns zumindest den Spaß, keine weitere Angriffsfläche zu bieten, in dem wir tatsächlich ruhig waren. Denn ab jetzt tigerte die Security im Minutentakt um uns herum und lauerte nur darauf zuzuschlagen. Auch unser späterer Lieblingsnachwächter, seines Zeichens Russe, ermahnte uns auf seine spezielle weise und brachte nur ein brummendes „Wodka“ und ein paar zweideutige Handbewegungen hervor. Keine Ahnung, was er uns eigentlich immer sagen wollte. Aber wir hatten verstanden. Nastrovje. Lange Rede kurzer Sinn: wir änderten abendlich unsere Gewohnheit und driedelten nach den Shows noch am Strand oder in den Cafes außerhalb herum.
Tagsüber gab es abgesehen vom Chillen jede Menge zu tun. Das gemeinsame Frühstück läutete den Tag ein mit Brötchen und Cornflakes. Teilweise musste sich das wechselnde Abwaschteam ziemlich beeilen, wollte es noch rechtzeitig beim Volleyball mit Animateur Abu am Strand oder bei den täglich wechselnden Angeboten oder eben beim Aquagym teilnehmen. Da unser Stellplatz genau neben dem Poolgelände lag, war es für uns recht einfach, den Startschuss für alle möglichen Aktionen zu verfolgen und spontan mit einzusteigen, z.B. bei den Poolgames. Die Animateure Ricardo, Luigi, Davide, natürlich Lawinia und alle anderen kannten den Bardowicker Trupp nach ein paar Tagen bestens und konnte sich auf eine Teilnahme fast schon verlassen. Das Open-Air-Fitness-Studio war angesichts der Temperaturen nur bedingt geeignet, uns besonders lange zu begeistern, doch für eine kurze Abwechslung sorgte es immer mal wieder.
Auch der Einkauf und das Essenkochen standen natürlich im Laufe des Tages irgendwann an und dank Chefkoch Hendrik klappte der Kampf am Herd ohne größere Probleme. Das jeweilige Küchenteam schnibbelte vergnügt vor sich hin, um den täglichen Salatbedarf zu decken und lernte so Sachen wie: halb aufgeschnittene Melonen haben offenbar nur eine geringe Überlebenschance wenn sie längere Zeit in der Sonne lagen. Je ungenießbarer für uns, so beliebter bei den Tieren. Überhaupt, wenn man nicht aufpasste, verlagerten ganze Ameisenarmeen ihre Hauptverkehrsrouten quer über unseren sandigen Platz, verschwanden aber genauso schnell wieder, wenn man mal aufräumte und Essensreste nicht gerade wieder im Sand unterm Tisch verbuddelte.

Am Mittwoch war ein größerer Ausflug geplant. Ein Ausflug, der wohl durchdacht erst am späten Nachmittag begann. Denn wer im Hochsommer tagsüber nach Venedig fährt, muss verdammt gute Nerven haben angesichts der vielen abertausenden von Touristen, die dort über den Markusplatz herumschlawänzeln, ganz zu schweigen von den hohen Temperaturen, die dort über Mittag herrschen und den Otto-Normal-Touristen unter Umständen an den Rand der Begeisterungsfähigkeit bringen können für so Sachen wie: die venezianische Stellung im historischen Context und die unterschiedlichen architektonischen Besonderheiten dieser Stadt. Wir ordneten unsere Interessenlage realistischer weise in die Ebene des Durchschnittstouris ein und umgingen damit geschickterweise den großen Ansturm auf die beliebte Lagunenstadt. Massentourismus raus, Bardowicker rein. Von Punta Sabbionni schipperten wir mit der Fähre quer durch die Lagune, machten einen kurzen Zwischenstopp an der Insel Lido und näherten uns dem Herzstück Venedigs, dem Markusplatz. Wir hüpften von Bord und hatten wieder festen Boden unter den Füßen, was in dieser Stadt nun auch nicht ganz richtig ist, denn bekanntermaßen steht Venedig auf kleinen Inseln  - wie wir es lernten genau 117 – und Millionen von Baumstämmen. Wir schlenderten zielstrebig zu den beiden Säulen am Markusplatz, unserem Treffpunkt. 18.00 Uhr und Fiona eilte herbei, die einige noch vom letzten mal kannten und uns wieder sicher durch das Labyrinth der Gänge und Gassen lotste und mit vielen Details und Anekdoten versorgte. Als geborene Venezianerin kannte Fiona natürlich jeden Winkel Venedigs und führte uns über Brücken und Plätze, durch Tunnel und Gassen, wusste nahezu zu jedem Gebäude etwas zu berichten. So jemand wusste natürlich auch, wie man für 50 Cent in den Genuss einer Gondelfahrt kam, denn die war in der klassischen Variante doch recht teuer. Doch es gab eine günstige Überfahrt über den Canale Grande in Sichtweite der weltberühmten Rialtobrücke und das war für uns ein ausreichender Eindruck einer dieser Gondelfahrten.
Der abendliche Blick von der besagten Brücke über den Canale Grande, der Hauptverkehrsader, mit seinen vielen Booten, den wippenden Gondeln am Rande und den antiken Hausfassaden, die sich an den Ufern emporhoben, lud alle zum Verweilen ein. Und erst als das Dröhnen der Schiffsmotoren durch das Knurren der Mägen übertönt wurde, suchten wir nach diesen athmosphärischen nun die kulinarischen Genüsse Venedigs, die wir in der Pizza-to-go schnell fanden. Wir hatten noch Zeit, den Charme der Stadt in vollen Zügen zu genießen und so kam es, dass wir weiter an den Ufern verweilten oder in den beleuchteten Gassen herumbutscherten.
Zurück von der Rialtobrücke zum Markusplatz hätten wir in der Dunkelheit ohne Fiona womöglich sowieso nicht gefunden, daher nahmen wir ein Vaporetto, eine Art Linienbus im Wasser. Quasi ein Wasserbus. Dieser fuhr wie der sonst üblich rollende Bruder los, hielt alle paar Meter an, ließ Fahrgäste rein und raus und schipperte dann weiter.
Fazit: Venedig, eine einzigartige Antiquität, ist am Abend ganz besonders schön. Arrividerci, du Königin der Lagune.

Der nächste Tag war wieder geprägt von Meer und Wellen, von Sonne und Pool und vom „Olympic Blue Day“, der von der Heerschar der Animateure veranstaltet wurde. Neugierig pilgerten die ersten von uns an den Strand zu den ersten Spielrunden, mit Kajakfahrten, Volleyball, Fußball, ständig begleitet von den eingeübten Schlachtrufen, die die beiden Gruppen einstudiert haben: „chicolo-occo-chicolo-occo-hey!“
Die Zeit verflog so schnell dahin und urplötzlich war es Freitag. Es drohte also Samstag zu werden, der Tag, an dem wir schon wieder abreisen sollten. Eine ganz schreckliche Vorstellung, an die wir uns weder gewöhnen konnten und schon gar nicht wollten. Daher reifte der Wunsch, doch einfach ein paar Tage auf dem Vier-Sterne-Campingplatz zu verlängern. Längere Verhandlungen und Besichtigungen der einzelnen noch wenigen freien Stellplätze standen an. Fast hatten wir die Rezeption so weit, doch es scheiterte als sie irgendwann begriff, dass wir mit 14 Leuten da waren und das ginge ja nun wirklich nicht auf einem einzelnen Stellplatz. Da stand die Platzordnung klar über Kundenwunsch. Die Enttäuschung der nahenden Abreise war fast schon schmerzlich, doch wir trösteten uns mit dem Gedanken an die bevorstehenden Tage in Österreich und die WM. Ein letztes Eis in der Cafeteria, ein letzter Gang an den Strand, ein letztes Bad im Meer, ein letzter Abend in der Arena, alles war uns angenehm vertraut geworden und am Ende noch ein letztes Abschiedsfoto zusammen mit Lawinia. Ciao Bella! „Have a good life!“ oder was sonst sollte man sagen, wenn man die schönste aller Animateure nie wieder sehen wird?

Am Samstag sammelten wir alle unsere sieben Sachen zusammen und sprangen wehmütig in die Autos. Wir wären ja so gerne noch geblieben, aber der Wagen, der rollte. Er rollte allerdings nicht weit, denn vor Jesolo blockierte wie jeden Samstag die Abreisewelle die Straßen. Wir wollten ja aber zum Glück sowieso noch nicht zur Autobahn und steuerten den Wasserpark Aqualandia an, in dem wir den restlichen Tag verbrachten. Ein herrlicher Abschluss im Wasser und auf Riesenrutschen, die gar nicht hoch genug sein konnten. Noch viel höher ging es nur auf den Bungee-Sprungturm. Und Hendrik wagte todesmutig den Sprung in die unendliche Tiefe. Nur gefesselt an den Füßen stürzte er sich kopfüber wie ein Cliff Diver eindrucksvoll der Erde entgegen. Und überlebte. Zum Glück.
Wir ließen den Abend im Restaurant mit einer Pizza ausklingen und genossen die letzten Stunden auf italienischem Boden. Als es dunkel wurde, ging es weiter. Spontan entschlossen wir uns noch bei der „Monstertruck“-Show vorbeizuschauen. Wer nun wirklich Monstertrucks erwartete, die über Autos crashen, wurde schon einmal pauschal enttäuscht. Dafür war es eine unterhaltende Show, die zeigte, was man mit Autos, speziell mit BMW’s so alles machen kann. Vorzugsweise auf zwei Rädern fahren. Auch ein Traktor konnte das. Es kamen noch so ein paar andere nette Fahrzeuge aus der Boxengasse und dann kam sehr theatralisch auch etwas aus der Kulisse, was wohl ein Monterstruck sein sollte. Außer vorwärts fahren, konnte der aber nichts weiter.
Gegen Ende der Show wurden noch vier Freiwillige aus dem Publikum gesucht. Und wie sollte es anders sein, auch zwei von uns waren mit von der Partie, die sich auf dem extrawackligen, fast gummihaften „Spaßfahrrad“ probieren sollten. Nachdem sich die anderen beiden Probanden an einer Fahrt an dem Vehikel probierten, scheiterten sie erwartungsgemäß unter dem breiten Gelächter des Publikums. Als aber unser lieber Dennis dran war, hatte er den Trick sofort raus und radelte problemlos allen davon und erntete große Bewunderung und tosendem Applaus. Wie Dennis den Italienern einfach mal locker das Fahrradfahren demonstriert hat. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinkriegten.
So, dann war es aber wirklich soweit. Kurz vor Mitternacht verabschiedeten wir uns vom süßen Duft des Mediterranen, aus dem Traumland Italien. Noch ein paar Stunden tuckerten wir nordwärts bis wir es uns auf der Wiese eines Parkplatzes gemütlich machten. Buenanotte!

Als wir wie geplant auf dem Faustballplatz im österreichischen Nußbach ankamen, war von Sonne, Meer, Pool rein gar nichts mehr zu sehen. Es fiel anfangs schwer, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Das Wetter, kalt und regnerisch, eine diesige Tristesse in Vollendung, ein Kaleidoskop der Grautöne. Selbst die Kirchenglocke schien irgendwie in Moll zu bimmeln. Natürlich mussten wir uns erst einmal aklimatisieren und einen Vorteil hatte es, denn wir kramten plötzlich Klamotten aus den Tiefen der Koffer und Taschen, die wir bislang nicht gebraucht haben.
Am nächsten Tag erreichten wir dann den meteorologischen Tiefpunkt unserer Tour. Wie der Wetterfrosch tags zuvor vorhersagte, Regen-Regen-Regen. Komisch, trotzdem fiel uns nichts anderes ein als zum Baden zu fahren. Das steckte irgendwie noch so drin. Also auf nach Wels ins Welldorado. Wir kamen dort in eine Art Minihallenbad und entdeckten dank der gut geputzten Scheiben aber relativ schnell, dass da draußen eigentlich ein großes Freibad mit großem Sprungturm, Rutschen usw. war. Bei dem Wetter und bei etwa 12 Grad ganz ohne Badegäste, ein echtes Freibad eben. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb genau richtig für uns. So stürmten wir nach draußen und genossen ein tolles und riesiges Freibad ganz für uns allein. Einfach herrlich, Regen hatte auch sein gutes. Und wo es da schon mal ein 10-Meter-Turm gab, purzelten die Bardowicker wie die Lemminge immer wieder reihenweise hinunter. Einige Versuche später waren dann einige sogar soweit und machten einen Köpper vom 10er. Sehr mutig. Das war alles in allem ein großer Spaß und das Bad so schön, dass wir ein paar Tage später gleich noch einmal hingefahren sind, und da war dann sogar wieder die Sonne mit am Start.
Am Abend machten wir noch einen Abstecher in ein Kino in Kirchdorf. 10 Tage hatten wir bereits ohne Fernsehen ausgehalten und wir haben eigentlich auch nichts vermisst. Das Kino war recht gemütlich und übersichtlich. In Zeiten der voranschreitenden Technik wäre die Leinwand bei einigen auch als größerer Fernseher durchgegangen. Montag schien kein Kinotag zu sein, denn die Besucherzahl war sehr übersichtlich. Wir sahen „Brautalarm“, eine Art Hangover für Frauen. War sehr lustig. Gwöhnungsbedürftig war allenfalls das Fingerfood, denn merke: In Österreich kennt man offenbar kein süßes Popcorn, da wird nur gesalzen. Nein danke.

Nun waren wir schon einige Tage in Österreich nahe der Alpen, da mussten wir natürlich auch einmal die Berge kennenlernen. So stand der Dienstag ganz im Zeichen des Bergkletterns und Trekkingabenteuers. Früher hätte man gesagt: Wandertag. Wir entschieden uns auf Empfehlung für die Dreihüttenwanderung in der Dr.Vogelgesang-Klamm. Klingt komisch, hieß aber so. Das war und ist immer noch eine Schlucht, in der Herr Dr. Vogelgesang 1906 einen hölzernen Steg bauen ließ und durch die man bis heute über 500 Stufen bis nach oben kommt. Aus irgendeinem Grund hatte es unsere Gruppe eilig und rannte förmlich die „Stiege“ hinauf, wie der Österreicher sagt. Eindrucksvoll plätscherte nebenher der Gebirgsbach die Schlucht hinab, durch wir kraxelten und ich weiß nicht mehr wie viel Höhenmeter wir überwunden haben, gefühlte 1000, aber alle waren tief nass. Nicht durch den Regen, der kam erst später, sondern durch die körperliche Tortour, wir schwitzten uns klitscheklatschenass. Oben angekommen, verlief der Weg noch weiter bis zur Bosrückhütte, an der wir uns erst einmal erholten und trockenchillten. Der weitere Verlauf unseres Weges führte uns immer weiter nach oben und die Ausblicke, das Panorama der Berggipfel war einfach herrlich. Wir schafften es noch bis zur zweiten Hütte, dann kamen wir irgendwie etwas vom Weg ab. Wir haben uns nicht direkt verlaufen, es war nur so, dass unser Weg mitten im Wald plötzlich zu Ende war. Dann eben zurück und die Abkürzung über die riesige Alm hinunter ins Tal. Die Wolken zogen langsam wieder auf und wir sahen schon in der Ferne die ersten Schauer auf die Erde prasseln. Es war nur eine Frage der Zeit bis wir ebenfalls in diesen Genuss kamen. Die Husche war deshalb so unnötig, weil sie die benachbarte Sommerrodelbahn für diesen Tag unbrauchbar machte und wir so nur den gesicherten Alpinencoaster benutzen konnten.

Zurück aus den Bergen, standen wir auf unserem Zeltplatz. Zeit zum Nachdenken. Und dabei fiel uns ein, Dienstag, das war der Tag an dem im unweiten Kremsmünster die Zwischenrunde der Faustball-Weltmeisterschaft stattfand. Und es spielte am Abend Österreich gegen die Schweiz, ein echtes Topspiel. Wir hatten erst Karten ab Donnerstag, aber der Gedanke, ganz in der Nähe läuft die WM und wir lungerten nur irgendwo herum und waren nicht dabei, das ging gar nicht. Daher machte sich eine Speerspitze der Faustballfans kurz entschlossen auf nach Kremsmünster in der Hoffnung noch Karten zu ergattern. Und wir hatten Glück. Wir kamen zum letzten Spiel gerade noch pünktlich und sahen Faustball auf Weltniveau. Ein erster Vorgeschmack auf das, was da noch auf uns zukam.

Der nächste Tag. Gestern hatten wir noch die Berge über verschlungene Pfade in tiefen Schluchten erlebt, die durch die Gebirgsbäche geformt wurden. Und wenn dann alle Bäche zusammenliefen hatte man einen Fluss. Soweit nichts Neues. Wir hatten aber eben auf einem dieser großen Flüsse einen weiteren Programmpunkt, das Mountainrafting. Und so sehr wir uns auch anfangs über den Regen ärgerten, so nützlich war er nun in diesem Fall. Alles hat eben immer auch seine gute Seite, denn nun waren die Wasserpegel allerorts recht hoch und unser Fluss, die Steyr, gut gefüllt und regelrecht mitreißend. Zunächst ging es zum Einkleiden. Einen Neoprenanzug für jeden, der sich eng, sogar sehr eng, an den Körper schmiegte. Wie eine zweite Haut. Wir wissen jetzt genau wie sich Presswürste fühlen würden, wenn sie fühlen könnten. Diese Anzüge hatten die Eigenschaft erst einmal kalt zu sein, wenn man sie anzog. Mit Paddel und Booten ausgestattet, machten wir uns auf den Weg zum Stapellauf. Der wilde Fluss zog uns mit sich und die einzelnen Besatzungen übten die Kommandos, damit wir sicher durch die tosenden Stromschnellen hindurchkamen. Die Gummiboote tanzten auf der Gischt der Wellen, die sich in manchen Flusspassagen auftürmten, die sich hochschauckelten und uns auf den Rändern munter auf und ab wippen ließen. Die Steyr steht im Ranking der alpinen Wildwasserflüsse vielleicht nicht ganz oben auf der Liste mit den gefährlichsten Stromschnellen, aber für einen Eindruck in die Welt des Mountainaftings war es eine tolle Sache. Nächstes mal sind wir dann bereit für Stufe zwei. Besonders eindrucksvoll war dann noch das Klippenspringen von den hohen Felsen, an denen wir eine Pause einlegten. 10 Meter kannten wir ja bereits aus dem Welldorado. In etwa so hoch ging es nun in den reißenden Fluss. Dabei war nun aber gar nicht mal der Sprung selbst der eigentliche Kick, sondern die Eintauchphase in dem eiskalten Wasser. Natürlich hatten wir schützende Anzüge an, aber was war mit den Händen und vor allem mit dem Kopf und den Ritzen, in die das Wasser erstmal fröhlich eindrang? Der reinste Frost peitschte einem ins Gesicht und wer von hoch sprang, tauchte auch tief ein und musste sich nun den Weg nach oben kämpfen, völlig geschockt davon, wie kalt Wasser eigentlich so sein kann. Es wunderte eigentlich, dass sich nicht an der Luft Eiskristalle auf der nassen Haut bildeten. Zum allem Überfluss musste man unter diesem völligen Schockzustand das rettende Ufer erreichen während man von der enormen Strömung mitgerissen wurde. Aber all das war einfach so toll, dass sich die meisten diese Erfrischung mehrere male antaten und gleich wieder die Klippe hinauf kletterten.
Später ging es dann weiter und es gab heißen Kaffee und Tee. Woher nur wussten die Guides, dass das genau das richtige war? Irgendwann erreichten wir dann unser Tagesziel und wir zerrten uns umständlich aus den Anzügen, die wie verflixt am Körper klebten, zweite Haut eben. Alles in allem ein schönes Erlebnis. Kann wiederholt werden.

Endlich Donnerstag. Der Grund, warum wir überhaupt in diese schöne Gegend in Oberösterreich gekommen waren, begann am späten Nachmittag. Die Viertelfinalspiele in Linz. Die Faustballwelt erwartete mit Spannung die ersten K.O.-Spiele. Bei perfektem Wetter begann es mit Argentinien gegen die Schweiz, ein packendes Duell, das am Ende die wohl größte Überraschung der gesamten WM war. Argentinien warf die hoch gehandelte Schweiz aus dem Rennen. Argentinien im Halbfinale, das hat es noch nie gegeben. Und dann Deutschland gegen Chile. Die Deutschen spazierten problemlos eine Runde weiter, einfach grandios und die Stimmung war perfekt. Viele Zuschauer feierten und freuten sich über tolle Spiele. Und voller Begeisterung wurde am Abend und die Nacht durch bei der WM-Party weitergefeiert.
So lief das in Pasching am Freitag einfach weiter. Die Halbfinalspiele waren hervorragend, die Stimmung bei den Fans phänomenal. Zufrieden waren sicher auch die vielen Faustballfans, die zu Hause geblieben waren und die Spiele gemeinsam am Fernseher live verfolgten. Und Deutschland gewann gegen die starken Brasilianer. Wir freuten uns auf die Endrunde am Samstag. Da spielten noch einmal alle Mannschaften die Platzierungen aus. Das Spielniveau steigerte sich von Spiel zu Spiel. Und am Ende um 20.15 stand das Traumfinale Österreich gegen Deutschland an. Die Stimmung der 8.000 Fans im ausverkauften Pasching-Stadion war auf dem Siedepunkt. Stadionsprecher Holger Laser und Alwin Oberkersch heizten allen richtig ein. Und dann liefen die Gladiatoren ein zum letzten Duell dieser Meisterschaft. Es war sensationell, Faustballsport vom feinsten. Sechs lange Sätze lang begeisterten die Spieler auf dem Feld das Publikum durch eine tolle Leistung. Weltklasse. DEUTSCHLAND - - - DEUTSCHLAND - - - DEUTSCHLAND --- schallte es von den Rängen. Und dann, die Deutschen führten mit 3:2 Sätzen, Spielstand 10:6, Christian Kläner in der linken Abwehr fischte den Ball vor der hinteren Ecke aus der Luft heraus, Fabian Sagstedter servierte glänzend an die Leine, und dann, Hauptschlagmann Patrick Thomas lief an, knallte den Ball in die rechte Seite ohne Chance für die Österreicher. Der Jubel brach aus bei Spielern und den deutschen Fans. Da war das Ding. Nach 16 langen Jahren war der Titel wieder in Deutschland, „Sweeeeet Caroline-oh-oh-oh“ dröhnte sofort aus den Boxen. Das Stadion bebte. Die Stimmung kochte, ein schwarz-rot-goldener Traum. 2007 gewann Österreich den WM-Titel in Deutschland. 2011 gewann Deutschland die WM in Österreich. Konnte es ein besseres Ende unserer Fahrt geben als diesen Triumph mitzuerleben. Die Bardowicker Jungs waren längst an die Bande gelaufen, warteten zusammen mit den vielen deutschen Fans auf das Ende der offiziellen Siegerehrung und erstürmten dann mit tausenden Fans den Rasen, stürmten ihren Idolen entgegen, ließen sie hochleben, Spieler, Trainerstab und Fans feierten ausgelassen auf dem Centercourt. Nicht nur die Bardowicker sammelten zahlreiche Fotos in dieser Siegeslaune mit deutschen, aber auch allen anderen Spielern.
Danke an die Spieler und Trainer für diese Leistung, Danke Österreich für dieses Event, danke für diese Faustballparty, für ein Faustballtag, der allen Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die nächste Männer-WM ist 2015 in Cordoba/Argentinien. Wir sind gerne wieder dabei.

Um Punkt Mitternacht machten wir uns auf, pilgerten fröhlich und begeistert zu den Autos. Wir hatten noch eine lange Fahrt vor uns, ab nach Hause. Eine letzte große Pause, ein letztes mal im Schlafsack unter freien Himmel, träumen von der traumhaften Weltmeisterschaft, träumen von zwei Wochen gemeinsamer Ferien, von einer Fahrt, die wieder viel Spaß machte mit einer super Gruppe und wirklich tollen Jungs, die einfach klasse waren. Weltklasse. Genau wie Deutschland.   
   
Zu Hause warteten die Eltern bereits auf unsere Ankunft. So schön die Fahrt auch war, schön war es auch nach Hause zu kommen. Vieles gab es zu erzählen und zu berichten. Und nach der Fahrt ist vor der Fahrt. Im nächsten Jahr. Bist du wieder dabei?
Und langsam aber sicher wurde allen klar, wie die Ferien bald einfach mal locker zu Ende waren und wie am Donnerstag die Schule schon wieder losging. Und das ließ nur einen Gedanken zu:
Junge, das stresst enooorm!

 Euer Malte

Gelesen 10380 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Juni 2013 17:40


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